LESEGOTTESDIENST FÜR DEN SONNTAG 30.08.2020 (12. SONNTAG NACH TRINITATIS)

Liebe Gemeinde!

Für den 12. Sonntag nach Trinitatis hat Pfarrer Thomas Böhme den Lesegottesdienst gestaltet.
Herzlichen Dank dafür!
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit mit dem Lesegottesdienst.
Ihre Pfarrerin Angelika Ludwig


Einstimmung
Vieles bedrückt uns Menschen, kann uns die Kraft und den Mut nehmen, aufrecht zu stehen und zu gehen. Gott richtet Menschen auf. Er tröstet uns. Er macht Taube hörend, den Sprachlosen gibt er eine Stimme. Gott wandelt die Verhältnisse. Und er stellt uns und unser Leben auf festen Grund. Davon erzählen die Texte des heutigen Sonntags.

Singen, lesen oder hören Sie: Er weckt mich alle Morgen (EG 452)

Wochenspruch
„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“                                         (Jes 42,3)


Votum
Der Herr sei mit euch
         und mit deinem Geist.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.
Amen!
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Wochenpsalm

Lobet den Herrn! Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding,
ihn loben ist lieblich und schön.
Der Herr baut Jerusalem auf
und bringt zusammen die Verstreuten Israels.
Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind,
und verbindet ihre Wunden.
Er zählt die Sterne
und nennt sie alle mit Namen.
Unser Herr ist groß und von großer Kraft,
und unermesslich ist seine Weisheit.
Der Herr richtet die Elenden auf
und stößt die Frevler zu Boden.
Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten,
die auf seine Güte hoffen.
                                                (Psalm 147, 1-6.11)


Wir wollen Gott loben, indem wir sprechen:

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und alle Zeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Lasst uns vor Gott treten und daran denken, was uns bedrückt und belastet und wofür wir Verantwortung tragen:

Gott, Grund des Lebens.
Du sorgst dich,
du zerbrichst das geknickte Rohr nicht.
Wir bitten für alle,
die unter Schmerzen leiden,
die Abschied nehmen und trauern.
Wir bitten dich für die, die geknickt sind
und keine Kraft mehr haben.
Gott, du tröstest,
du heilst, du rettest.
Tröste, heile, rette deine Menschen.
Erbarme dich unser.

Wir bitten um Gottes Erbarmen:
Kyrie eleison                                    Herr, erbarme dich
Christe eleison                                 Christe, erbarme dich
Kyrie eleison                                    Herr, erbarme dich über uns


Gnadenspruch
Der HERR ist gnädig und gerecht, und unser Gott ist barmherzig.
Wenn ich schwach bin, so hilft er mir. Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; denn der HERR tut dir Gutes.                                       (Psalm 116,5.6b-7)


Lasst uns beten:
Jesus Christus,
du gibst uns Halt und richtest uns auf.
Deine Liebe ist der Grund,
auf dem wir stehen und leben können.
Wir bitten Dich:
Öffne uns Herzen und Sinne für die Liebe.
Lass uns das Richtige tun, dass wir einander Schwestern und Brüder sind und bleiben.
Amen.


Lesung aus dem Alten Testament

Der Prophet Jesaja erwartete eine Veränderung der Verhältnisse. Seine Worte haben bis heute ihre Bedeutung nicht verloren:

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werden, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden. Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels. Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten, welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach, der sie zurechtweist im Tor, und beugen durch Lügen das Recht des Unschuldigen. Darum spricht der Herr, der Abraham erlöst hat, zum Hause Jakob: Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen. Denn wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände – ihre Kinder – in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen und den Gott Israels fürchten. Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.
                                                                          (Jesaja 29,17-24)

Halleluja.
Ich will den Herrn loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.
Halleluja
                                                                         (Psalm 34,1)

Apostolisches Glaubensbekenntnis

Singen, lesen oder hören Sie: Nun lob, mein Seel, den Herren (EG 289)

Predigt zu 1. Kor. 3,9-17
„Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ (1. Kor. 1,3)

  1. Hinführung

Festen Grund unter den Füßen zu haben, etwas, das mir Halt gibt, woran ich mich halten und orientieren kann: Wir sehr brauchen Menschen, brauchen wir, brauche ich das!

Der heutige Predigttext aus dem ersten Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth lässt mich daran denken. Im Mittelpunkt des Predigttextes stehen kraftvolle Worte: „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“

Und der Text lässt mich fragen, was von unserem, von meinem Tun ist so fest gegründet, dass es Bestand hat.

Ich lese die Verse 9-17 aus dem dritten Kapitel des ersten Briefes an die Korinther:

  1. Lesung: 1. Kor. 3,9-17

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.

Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

  1.  

Paulus erinnert seine Leser, erinnert uns: Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene, ist der Grund, auf dem wir alle stehen, der uns gründet und Halt gibt.

Halt soll dieses schwer zu begreifende Paradox des Kreuzes geben… Paulus spricht an einer anderen Stelle von der „Torheit des Kreuzes“: Der, der gelitten hat, der gestorben ist, ist der Grund der Hoffnung.

Am Ende seines Briefes wird Paulus sogar schreiben: „‘Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?‘ ((Jesaja 25,8; Hosea 13,14) Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!“

4.

Dieser Sieg ist der eine Grund, der gelegt ist. Auf ihm baut alles auf. Gott verwandelt die äußerste Schwäche in äußerste Stärke. Gott greift nicht ein, als sein Sohn hingerichtet wird. Aber ein paar Tage später lässt er uns wissen, dass die Kraft des Todes versagt hat. Christus lebt und sagt es allen: Ich lebe und ihr sollt auch leben (Joh. 14,19).

Der gelegte Grund ist Gottes Werk. Wir haben dazu nichts getan. Wir können nur staunen. Und Gott über alle Dinge fürchten, ihn lieben und ihm vertrauen.

Wenn es denn so einfach wäre.

5.

Es gibt Vieles, was mir festen Boden unter den Füßen wegziehen kann und mich schwanken und unsicher werden lässt:

  • Der Mensch, den ich liebe, stirbt, ich bleibe allein zurück mit meinem Leben.
  • Ich werde krank und spüre, wie begrenzt meine Kräfte und Möglichkeiten sind.
  • Ich scheitere im Beruf, auch wenn ich mir alle erdenkliche Mühe gegeben habe.
  • Der Mensch, mit dem ich viele Jahre verbunden war und mit dem ich mein Leben geteilt habe, verlässt mich.
  • Ich weiß nicht, wer mein Vater oder meine Mutter ist und ich bleibe auf der Suche nach meinen Wurzeln.

Aber es können nicht nur mein persönliches Leben betreffende Ereignisse und Erfahrungen sein, die mich unsicher machen, die mich zweifeln und schwanken lassen. Es können auch Ereignisse, die uns alle betreffen, sein:

  • Die Sorge um unsere Natur, um das Klima und die bange Frage, was in 30 oder 40 Jahren sein wird, wenn ich vermutlich nicht mehr hier sein werde, wohl aber unsere Enkel.
  • Die Corona-Pandemie zeigt die Grenzen menschlicher Möglichkeiten. Auch nach einem halben Jahr wissen wir nur wenig über diese Erkrankung. Das macht Angst und verunsichert.
  • Unsicher macht mich, wie mit der Wahrheit gespielt wird. Sie wird verdreht, gedehnt, verschleiert, ins Gegenteil verkehrt. Dabei geht es aber gar nicht um die Wahrheit. Es geht darum, Wirklichkeiten so zu verschleiern, dass eine Wahrheit gar nicht mehr gefunden werden kann. Man behauptet so lange anderes oder das Gegenteil, bis niemand mehr in der Lage ist, einen Durchblick oder Überblick zu finden.

All das lässt mich unsicher werden und mich fragen, wie fest der Grund ist, auf dem ich stehe. Wenn es denn so einfach wäre, darauf zu vertrauen, dass da ein fester Grund ist, der uns trägt: Jesus Christus.

6.

Einfacher ist das Hoffen auf Stärke, die eigene oder die Stärke anderer. Stark sein wollen viele, immer wieder Sieger. Beim Spiel, in der Liebe, bei der Arbeit.

Manche machen sich darum fest an Menschen, die Stärke demonstrieren, in der Politik z.B. Wir sehen und hören immer wieder davon. Oder machen sich fest an Behauptungen und „einfachen Wahrheiten“, die es leider nicht gibt. Auch die Botschaft von Jesus Christus, auch das Evangelium, ist keine einfache Wahrheit, sondern will und muss immer wieder neu verstanden und auf das eigene Leben bezogen werden.

Damals, in Korinth, scheinen die Menschen ebenfalls unsicher gewesen zu sein, woran sie sich orientieren können und sollen. So bildeten sich Gruppen, Parteiungen innerhalb der Gemeinde, die sich auf „starke Männer“ beriefen, auf Paulus auf der einen Seite, auf Apollos, einen seiner Mitarbeiter, auf Petrus, den Jünger Jesu und vermutlich noch auf andere, die Paulus nicht erwähnt hat. Paulus spricht gleich zu Beginn seines Briefes von Spaltungen in der Gemeinde in Korinth. Jede dieser Gruppen versuchte vermutlich das letzte Wort zu haben.

Vielleicht ist das immer wieder so: Wer den Boden, der trägt, unter den Füßen verliert, der muss sich an etwas oder jemanden festhalten, das oder der Gewissheit und Sicherheit verspricht. Und dieses gegen alles andere mit Macht verteidigen. Das letzte Wort haben und die Oberhand behalten.

Paulus erinnert die Korinther daran, dass keine der Gruppen und keiner der Menschen, auf die sie sich berufen, einen festen Halt geben können. Es gibt nur einen Grund. Der ist schon gelegt. Auf dem können wir bauen. 

7.

Der Grund, der schon gelegt ist durch Gottes Handeln am Ostermorgen, zeigt andere Perspektive jenseits von Sieg oder Niederlage, von Oberhand haben wollen: Nicht jede Niederlage ist ein Verlust. Oft ist ein Nichtgewinn ein großer Gewinn an Erfahrung. Das will ich nicht unterschätzen. Manche Niederlage, mancher Verlust hat mich reifer gemacht – nachdenklicher, besonnener, behutsamer. Das schätze ich heute sehr. Ich verliere nicht gern, das gebe ich zu. Aber ich bin dankbar für die gemachten Erfahrungen und fürchte mich weniger vor den Niederlagen.

8.

Gott will nicht siegen, sondern gewinnen. Die Liebe will nicht siegen, sondern gewinnen. Möglichst einvernehmlich mit allen beteiligten Gruppen. Das ist der eine Grund, der schon gelegt ist. Auch Gegner sollen sich wiederfinden können. Entweder in der Einsicht, dass Siegen längst nicht alles ist – oder im gemeinsamen Jubel über die Liebe.

Wenn wir so handeln, wie es seiner Liebe entspricht und wie Gott den Grund gelegt hat, dann wird unser Tun Bestand haben und die Prüfung überstehen.

Amen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.                  (Phil. 4,7)

Singen, lesen oder hören Sie: EG 648 – Wir haben Gottes Spuren festgestellt

Lasst uns beten:

Gott,
das geknickte Rohr zerbrichst du nicht,
den glimmenden Docht löschst du nicht aus.
Im Vertrauen auf deine Liebe und Menschenfreundlichkeit kommen wir zu dir mit unseren Bitten für uns und andere, für diese Welt.

Wir bitten:
Mach dem Hass und der Gewalt gegen Fremde, mach dem Rassismus ein Ende. Gib uns Mut und Kraft, dagegen etwas zu sagen und zu tun.

Beende die Kriege in Afrika, in Syrien und in vielen anderen Ländern dieser Erde.

Lass Menschen für gerechten Lohn und unter gerechten Arbeitsbedingungen arbeiten, bei Amazon, bei DHL, in der Fleischindustrie, in den Fabriken Chinas oder Rumäniens, an den ungezählten Orten dieser Welt.

Gib Kranken Mut und ihren Angehörigen Kraft, das Schwere mit ihnen zu tragen.

Tröste die, die einen geliebten Menschen verloren haben. Wir bitten für die Angehörigen der Verstorbenen in unserer Gemeinde.

Wir bitten für uns: Gib du uns Halt und Orientierung und einen festen Grund unter den Füßen, so dass wir aufrecht gehen und das Rechte tun.
Dabei vertrauen wir darauf:
das geknickte Rohr zerbrichst du nicht,
den glimmenden Docht löschst du nicht aus.

Alles was wir erbitten für uns, für andere und für diese Welt legen wir in das Gebet, das auch Jesus gebetet hat:

Vater unser
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung;
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft,
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Singen oder hören Sie: EG 580 – Segne und behüte uns

Segen
Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
                                                                        (4.Mose 6, 24-26)


Der Gottesdienst wurde zusammengestellt von Pfarrer Thomas Böhme
© Evangelische Mirjam-Kirchengemeinde Ascheberg Drensteinfurt

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