Stimmen Sie sich ein mit Musik

Wenn Sie eine CD o.À. zu Hause haben, deren Musik Ihnen gerade gut tut, dann hören Sie zu Beginn und zwischen den Texten Instrumentalmusik oder Lieder. In dieser Andacht finden Sie auch Links zu Internetseiten mit passenden Liedern zum Zuhören oder Mitsingen.

 

Musik zum Beginn

Orgelmusik: Bach: Jesu bleibet meine Freude

 

BegrĂŒĂŸung

Herzlich willkommen zu diesem Gottesdienst, den Sie auch heute bei sich zu Hause feiern mĂŒssen.

Immer mehr merke ich, wie mir die reale Begegnung im Gottesdienst in unseren Kirchen am Sonntag Morgen fehlt.

Der gewohnte Rhythmus ist unterbrochen.

So soll es in der Passionszeit sein.

Aber nicht durch QuarantÀne, nicht durch notwendige Isolation,

sondern durch ein selbstbestimmtes bewusstes Unterbrechen unseres Alltages.

Unterbrechen wir heute, am Sonntag Morgen, den Alltag – wie immer er gerade aussieht –

Und versammeln uns zum gemeinsamen Gottesdienst.

Wir können uns wenigstens in Gedanken versammeln.

Wir treten im Geiste zusammen und sind durch das gemeinsame Gebet verbunden.

So wissen wir uns auch in der Unruhe und Belastung dieser Zeit verbunden

im Namen Gottes,

des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen!

 

Singen oder hören wir:

EG 165 Gott ist gegenwÀrtig

 

Psalm

Die Bibel hat uns Worte von Menschen ĂŒberliefert, die wie wir die Vielfalt des Lebens kennen gelernt haben.

Lob und Dank, Klage und Bitte, Jubel und Verzweiflung, Gewissheit und Vertrauen, Traurigkeit und Hoffnung:

Sie alle haben erfahren:

Gott begleitet uns und hÀlt uns mit seiner Hand.

 

Wir beten mit Worten aus Psalm 69:

(hier in einer Übertragung von Peter Spangenberg oder schlagen Sie den Psalm in Bibel oder Gesangbuch auf, wenn sie mit den vertrauten Worten beten möchten)

 

Lieber Gott, komm und bleib dicht bei mir.

Das Wasser steht mir bis zum Hals,

und ich habe das GefĂŒhl: Ich versinke im Morast.

Meine FĂŒĂŸe verlieren den Grund.

Meine Angst ist wie ein Abgrund, mir wird schwindlig.

Ich habe bald keine TrÀnen mehr;

So viel habe ich geweint.

Meine Stimme ist heiser, weil ich so viel geschrien habe.

Vor meinen Augen ist es wie Nebel, ich kann nicht klar sehen.

Ich warte schon so lange auf dich.

Du kennst all meine SchwÀchen.

Ich möchte nicht, dass es andere merken,

damit sie nicht ihren Glauben verlieren,

weil sie mich so sehen.

Halt mich fest, lieber Gott, zieh mich vom Abgrund zurĂŒck.

Ich weiß, dass du mich hörst, und das tut so gut.

Du weißt, worunter ich leide,

du kennst, was mich drĂŒckt.

Ich hoffe oft, dasss jemand kommt

Und mich in den Arm nimmt.

Mir ist zum Heilen elend zumute.

Lieber Gott, nimm du mich in den Arm.

Ich will dir danken.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Kyrie-Gebet

 

Gott,

in diesen schweren Zeiten fragen wir uns oft: warum?

Warum bringt ein Virus die ganze Welt durcheinander.

Warum sind noch immer so viele Kriege auf der Erde?

Warum lernen die Menschen nicht von deiner Liebe, die du uns durch Jesus Christus gezeigt hast?

 

Wir kommen mit unseren Fragen, Sorgen und Ängsten zu Dir.

Wir ahnen, dass wir viele unserer lieb gewonnen Lebensgewohnheiten ĂŒberdenken mĂŒssen

und wollen doch auf unsere Gewohnheiten und Bequemlichkeiten nicht verzichten.

Wir hören heute von der verschwenderischen Liebe der Frau, die Jesus gesalbt hat

Und doch fÀllt es uns oft schwer, uns davon anstecken zu lassen.

 

Wir reden von SolidaritĂ€t mit den Menschen, die durch diese Krise in existentielle finanzielle Nöte kommen und wollen dass der Staat hilft, solange wir uns daran finanziell nicht beteiligen mĂŒssen.

Lass uns auch hier die Frau, die Jesus gesalbt hat zum Vorbild nehmen.

 

Gott hilf uns, gerade jetzt in der Passionszeit, den Blick zu weiten fĂŒr das, auf das wir verzichten können.

 

Herr, erbarme dich.

Christus, erbarme dich.

Herr, erbarme dich.

 

Singen oder hören wir:

EG 98 Korn das in die Erde

https://www.lieder-vom-glauben.de/player/?key=a20df7b42b239e40e9ee8fd7515a588c

 

Evangelium

Jesus zieht in Jerusalem ein. Er wird von der Menge jubelnd begrĂŒĂŸt. Sie singen ihm Psalmen und schwingen Palmzweige. Am Sonntag zu Beginn der Karwoche werden wir daran erinnert, dass das Volk einen Messias erwartete, der so ganz anders sein sollte, als Jesus es dann war.

 

Lesen wir das Evangelium fĂŒr den Palmsonntag aus Johannes im 12. Kapitel, die Verse 12-19.

Als am Tag darauf die grosse Volksmenge, die zum Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem komme, nahmen sie die Palmzweige und zogen hinaus, ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna, gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König Israels.

Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht:

FĂŒrchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt, sitzend auf dem FĂŒllen einer Eselin.

Dies verstanden seine JĂŒnger zunĂ€chst nicht, aber nachdem Jesus verherrlicht worden war, da erinnerten sie sich, dass dies ĂŒber ihn geschrieben stand und dass man ihm solches getan hatte.

Das Volk nun, das bei ihm gewesen war, als er Lazarus aus dem Grab gerufen und ihn von den Toten auferweckt hatte, legte davon Zeugnis ab.

Eben darum zog ihm das Volk entgegen, weil es gehört hatte, er habe dieses Zeichen getan. Da sagten die PharisÀer zueinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet. Alle Welt lÀuft ihm bereits nach.

 

Singen oder hören wir:

EG 314 Jesus zieht in Jerusalem ein

https://www.lieder-vom-glauben.de/player/?key=3a7a3f346d561651fc85311d38d2ccee

 

Liebe Gemeinde,

mit dem heutigen Palmsonntag beginnt die Kar- und Osterwoche.

Eine sehr ungewöhnliche Passionszeit liegt hinter uns.

Das Motto der Evangelischen Kirche in Deutschland „7 Wochen ohne Pessimismus“ trifft in dieser Zeit genau ins Schwarze und ist an manchen Tagen doch so schwer zu beherzigen.

Gemeinsam mit der ganzen Welt versuchen wir diese schwere Zeit gut zu ĂŒberstehen.

Und nun befinden wir uns zu Beginn unseres wichtigsten Festes und wissen, dass es dieses Jahr ganz anders werden muss, als wir das gerne möchten.

Keine gemeinsamen Gottesdienste in den Kirchen, mit OsterfrĂŒhstĂŒck im Gemeindehaus oder im Familienkreis. Es kommt ganz anders als erwartet und erhofft.

So wie in den letzten Tagen, die Jesus mit seinen JĂŒngern verbrachte.

Es kam ganz anders als erwartet.

Lesen Sie den Predigttext fĂŒr den heutigen Sonntag aus dem Markusevangelium im 14. Kapitel:

Und als er in Betanien war im Hause Simons des AussĂ€tzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfĂ€lschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hĂ€tte dieses Öl fĂŒr mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrĂŒbt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im voraus gesalbt fĂŒr mein BegrĂ€bnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem GedĂ€chtnis, was sie jetzt getan hat.

Amen!

 

Versetzen wir uns in die Zeit vor 2000 Jahren.

Sie sitzen zusammen. Jesus, seine JĂŒnger, vielleicht noch andere Freunde von Simon, die nicht erwĂ€hnt werden.

Sie sind alle eingeladen bei Simon dem ehemaligen AussĂ€tzigen. Sie befinden sich genau wie wir kurz vor ihrem grĂ¶ĂŸten Fest, dem Passahfest. Das Brot duftete, auch die anderen Speisen rochen lecker. Sie genossen das Essen, das auf dem Tisch bereit stand.

Vielleicht fĂŒhrten sie ganz normale AlltagsgesprĂ€che. Vielleicht dachten sie ĂŒber ihre Lage nach. Dachten darĂŒber nach, wie ihr Weg mit Jesus weitergehen wĂŒrde.

Es sollte ein ganz normales Abendessen im Kreis der Freunde sein. Aber dann kam alles anders.

Mitten hinein in diese Ă€ußerlich normale Situation kam eine Frau mit einem AlabastergefĂ€ĂŸ in der Hand, gefĂŒllt mit kostbarem Nardenöl.

Woher hat diese Frau, die scheinbar nicht reich war oder wirkt, das viele Geld her fĂŒr dieses kostbare Nardenöl? Nardenöl, Öl, mit dem normalerweise Könige gesalbt werden. 300 Silbergroschen? In der damaligen Zeit eine unvorstellbar hohe Summe. Mindestens ein Jahresgehalt eines Arbeiters. Das Geld hĂ€tten die Armen gut gebrauchen können. Kein abwegiger Gedanke.

Die Frau trat an Jesus heran. Sie zerbrach das GefĂ€ĂŸ. Tat sie es absichtlich, als prophetisches Zeichen? Oder aus Ungeschicklichkeit, weil sie so aufgeregt war?

Durch ihr Kommen und durch ihr Handeln bringt sie das geplante gemeinsame Essen und die gewohnten AblÀufe gehörig durcheinander.

Auf jeden Fall trat sie zu Jesus und salbte ihn. Ihn, den wir den Messias, den Christus, also den Gesalbten nennen mit dem kostbaren Öl.

Jesus hat eine andere Sicht auf das Handeln dieser Frau.

Jesus stellte sich auf die Seite der Frau. Er weiß, dass sie etwas ganz wertvolles tut, indem sie ihn salbt. Sie tat es aus verschwenderischer Liebe.

Er betrachtet sie vielleicht als Geschenk, als eine Frau, die erkannt hat, dass es an der Zeit ist Gewohntes zu durchbrechen. Anzuhalten. Geplantes zu stoppen.

 

Er verstand ihr Handeln als prophetische Zeichenhandlung und deutete sie entsprechend. „Sie hat meinen Leib im voraus gesalbt fĂŒr mein BegrĂ€bnis“

Durch ihre Tat und Jesu Worte weitete sich der Blick der Anwesenden zu Gott und seiner Liebe.

Denn sie weiß: Auch fĂŒr den Gesalbten kommt alles anders. Kein fröhliches Passahfest, sondern die Kreuzigung. Das Ende. Und der neue Anfang, die Auferstehung.

Es ist die Erinnerung an diese Tat der verschwenderischen Liebe, die uns leiten sollte, dass diese Liebe auch in unsere HĂ€user und Wohnungen einzieht und unseren Blick weiten möge, ĂŒber unseren begrenzten Blick hinaus, der uns in dieser schweren zeit  oft ungeduldig werden lĂ€sst.

Es ist dieser Gesalbte, der uns bis heute bewegt, der unsere Grenzen ĂŒberschreitet, der uns verbindet, der uns Mut macht.

Gerade auch in dieser schweren Zeit in der wir nicht gemeinsam Ostern, das Fest der Auferstehung feiern können.

Jesus hat im Leben und im Tod immer wieder gewohnte Bahnen durchbrochen, um sich auf die Seite der Schwachen und Kranken zu stellen.

Und wenn das heißt, dass wir eine Zeit lang nicht gemeinsam am Tisch sitzen können, dann wĂ€re er auch diesen Weg mitgegangen, da bin ich mir sicher.

Nach seiner Auferstehung hat Jesus Christus seinen JĂŒngerinnen und JĂŒngern die Furcht vor der Zukunft genommen. Das gilt auch fĂŒr uns.

Er sagte damals und sagt auch heute:

„FĂŒrchtet euch nicht! Denkt daran: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Auch in diesen schweren Zeiten.

Amen!

 

Hören wir: „In schweren Zeiten“ von Pater Norbert Becker

 

FĂŒrbitten

Wir wollen unseren Blick weiten

und an die Menschen in aller Welt denken und fĂŒr sie beten:

Gott, vor dir denken wir an Frauen und MÀnner, die öffentliche Verantwortung tragen.

Gerade in dieser schweren Zeit der Corona-Krise tragen sie große Verantwortung fĂŒr unser Leben.

Wir bitten dich: schenke ihnen Deinen Heiligen Geist, damit sie sinnvolle Entscheidungen fĂŒr das Leben aller Menschen treffen, unabhĂ€ngig von wirtschaftlichen oder Machtinteressen.

 

Gott, vor dir denken wir an Not und Elend mitten unter uns:

an die Menschen, die schwer erkrankt sind,

an die Menschen, die unter der Isolation leiden und einsam sind,

an die Familien, die auf engem Raum mit so viel gemeinsamer Zeit und NĂ€he Schwierigkeiten haben,

an die Menschen, die durch diese schwere Zeit Gewalt und Agression ausgesetzt sind,

an die Menschen, die nun um ihre finanzielle Existenz bangen mĂŒssen.

Wir bitten dich: lass sie Kontakt zu Menschen haben, die ihnen etwas von deiner verschwenderischen Liebe weitergeben und ihnen so wieder Hoffnung geben können.

 

Gott, vor dir denken wir an die Menschen, die mit viel Liebe in den medizinischen und pflegenden Berufen, sich um kranke und pflegedĂŒrftige Menschen in Pflegeheimen und KrankenhĂ€usern, d kĂŒmmern.

Wir bitten dich: gib Ihnen die Kraft und das Durchhaltevermögen, dass sie brauchen. Lass sie durch uns Menschen Anerkennung und Hochachtung erfahren.

 

Gott, vor dir denken wir an die vielen Menschen, die schon durch das Corona-Virus verstorben sind.

Wir bitten dich: schenke Ihnen deine GĂŒte und Barmherzigkeit, damit sie jetzt bei Dir geborgen sind.

 

Wir denken an die Menschen die um einen geliebten Menschen trauern.

Wir bitten dich: begleite sie durch dieser schweren Zeit, in denen auch Trauer und Abschied nehmen durch Corona ĂŒberschattet wird.

 

Du, Christus, willst uns gewinnen mit deiner NĂ€he.

Gib uns mit der Hinwendung zu dir Augen, die sehen, und Ohren, die hören, einen Mund, der zur rechten Zeit redet und schweigt, wo es geboten ist. Gib uns HÀnde, die helfen.

Lass uns dir folgen in deiner Hingabe fĂŒr die Welt und so deinem Namen Ehre machen.

 

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tÀgliches Brot gib uns heute.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Und fĂŒhre uns nicht in Versuchung;

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft,

und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

 

 

Singen oder hören wir:

EG 171 Bewahre uns Gott

 

Segensbitte

Herr, wir bitten dich:

Segne uns.

Halte deine schĂŒtzenden HĂ€nde ĂŒber uns

Und gib uns deinen Frieden.

Amen!

 

 

Wenn Sie mögen, hier noch 3 LiedvorschlĂ€ge fĂŒr den heutigen Sonntag:

Gott stÀrke dich mit seiner Kraft

 

EG 586      Bleib mit deiner Gnade

 

Seid vielen Jahren eines meiner persönlichen Lieblingslieder fĂŒr die Kar- und Ostertage

Seid nicht so Àngstlich von Hella Heizmann

 

BegrĂŒĂŸung

Herzlich willkommen in unserer Kirche!
So wĂŒrde ich Sie heute Morgen im Normalfall begrĂŒĂŸen.
Aber was ist in der derzeitigen Situation schon „normal“.
Heute heißen Sie mich willkommen in Ihren Wohnzimmern, in Ihrem zu Hause.
Wir sind in der Corona-QuarantÀne.
Und trotzdem: Gute Gewohnheiten soll man nicht aufgeben. Wir können uns wenigstens in
Gedanken versammeln.
Wir verbinden VirtualitÀt und Tradition: Wir treten im Geiste zusammen und sind doch durch eine
traditionelle Form verbunden.
So wissen wir uns auch in der Unruhe und Belastung dieser Zeit verbunden
im Namen Gottes,
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen!

Singen oder hören wir EG 366,1-2.5-7 „Wenn wir in höchsten Nöten sein“.

Psalm

Die Bibel hat uns Worte von Menschen ĂŒberliefert, die wie wir die Vielfalt des Lebens kennen
gelernt haben.
Lob und Dank, Klage und Bitte, Jubel und Verzweiflung, Gewissheit und Vertrauen, Traurigkeit
und Hoffnung:

Sie alle haben erfahren:
Gott begleitet uns und hÀlt uns mit seiner Hand.

Wir beten mit Worten aus Psalm 121.

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?
2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behĂŒtet, schlĂ€ft nicht.
4 Siehe, der HĂŒter Israels schlĂ€ft noch schlummert nicht.
5 Der HERR behĂŒtet dich; der HERR ist dein Schatten ĂŒber deiner rechten Hand,
6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.
7 Der HERR behĂŒte dich vor allem Übel, er behĂŒte deine Seele.
8 Der HERR behĂŒte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.

Kyrie-Gebet

Gott,
in Zeiten wie diesen fragen wir uns oft: warum?
Warum bringt ein Virus die ganze Welt durcheinander.
Warum sind Erkenntnisse aus Pandemieszenarien nicht konsequent umgesetzt worden?

Wir kommen mit unseren Fragen, Sorgen und Ängsten zu Dir.

Wir ahnen, dass wir viele unserer liebgewonnen Lebensgewohnheiten ĂŒberdenken mĂŒssen
und wollen doch auf unsere Gewohnheiten und Bequemlichkeiten nicht verzichten.

Wir wissen, dass wir unsere Umwelt und unser Klima schĂŒtzen mĂŒssen
und wollen unser Leben doch nicht Àndern.

Wir reden von SolidaritÀt mit den Menschen, die durch diese Krise in existentielle finanzielle Nöte
kommen und wollen dass der Staat hilft, solange wir uns daran finanziell nicht beteiligen mĂŒssen.

Gott hilf uns, gerade jetzt in der Passionszeit, den Blick zu weiten fĂŒr das, auf das wir verzichten
können.

Herr, erbarme dich.
Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich.

Hören oder singen wir: Kyrie eleison (Taize)

Lesen wir einen Abschnitt aus dem 2. Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth mit der
Überschrift:

Trost und Ermutigung auch in grĂ¶ĂŸten Schwierigkeiten

3 Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Denn er ist ein Vater, der sich
erbarmt, und ein Gott, der auf jede erdenkliche Weise tröstet und ermutigt. 4 In allen unseren
Nöten kommt er uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe, und deshalb können wir dann auch
anderen Mut machen, die sich ebenfalls in irgendeiner Not befinden: Wir geben ihnen den Trost
und die Ermutigung weiter, die wir selbst von Gott bekommen. 5 Genauso nÀmlich, wie wir in ganz
besonderem Maß an den Leiden von Christus teilhaben, erleben wir durch Christus auch Trost
und Ermutigung in ganz besonderem Maß. 6 Wenn wir also Nöte durchmachen, geschieht das,
damit ihr die mutmachende und rettende Kraft Gottes erlebt. Und wenn wir getröstet und ermutigt
werden, bedeutet das auch fĂŒr euch Trost und Ermutigung; es hilft euch, standhaft die gleichen
Leiden zu ertragen wie wir. 7 Deshalb sind wir voll Hoffnung und Zuversicht, wenn wir an euch
denken, denn wir wissen: Genauso, wie ihr an den Nöten teilhabt, habt ihr auch an dem Trost und
der Ermutigung teil.
Amen!

Singen oder hören wir: Lobe den Herrn meine Seele

Liebe Gemeinde!

Abschied nehmen tut weh.
Ich denke zurĂŒck an das letzte Treffen mit Freunden im Juni 2019, die alle einige 100 Kilometer
entfernt wohnen.
Wann werden wir uns wiedersehen? Geplant war es fĂŒr MĂ€rz 2020. Abgesagt. Es ist ungewiss.
Die Pandemie wird es erst einmal verhindern. Das ist richtig so, aber dennoch macht es mich
traurig.
Abschied nehmen tut weh.
Von der Familie, den Freunden und Freundinnen, den Kollegen und Kolleginnen.
Ich denke an meinen schwer herzkranken und demenzkranken Vater im Pflegeheim. Er versteht
nicht, warum ich ihn nicht mehr besuchen darf. Werde ich ihn noch mal wiedersehen?
Abschied nehmen tut weh.
Es ist eine kleine Vorerfahrung vom Sterben.

Abschied nehmen tut weh.
Viele Menschen sind in ihrer Existenz bedroht. Das kleine Cafe um die Ecke, der Betrieb, der nicht
produzieren kann.
Zumindest sind viele Menschen in ihrer Existenz verunsichert.
In der finanziellen Existenz, aber auch in ihrer menschlichen Existenz.
Gewohnte AblÀufe gehen nicht mehr. Abstand halten als Zeichen der Zugewandtheit. Sein Gesicht
verstecken durch Mundschutz. Persönliche Begegnungen vermeiden.
Wir lernen ganz neue Verhaltensweisen.
Es ist noch gar nicht abzusehen, was all diese Erfahrungen dieser Tage mit uns machen werden.
Auf jeden Fall ist es ein Abschied.
Ein uraltes Thema der Bibel.

Jesus nimmt Abschied
Es ist das Thema Jesu: Gehen, verlassen, Zukunft suchen.
Er verlÀsst die Werkstatt seines Vaters und wird ein Wanderprediger. Seine wandernde Existenz
ist Ausdruck seiner Haltung. Leben ist Bewegung, Aufbruch.

Zuhause
Aber der Mensch braucht Wurzeln. Er braucht ein zuhause. Er will wissen, wohin er gehört. Je
weitlÀufiger die Welt wird, desto mehr sehnen sich die meisten Menschen nach einem stabilen zu
Hause, nach einem stabilen Familien und Freundeskreis.
Menschen definieren sich ĂŒber Zugehörigkeit.

Und in diesen Tagen?
Es dĂŒrfen nur in Kontakt sein, die miteinander leben in einer Familie oder Wohngemeinschaft. Wir
spĂŒren, wie kostbar es ist, jemanden zu haben, der bei mir ist.
Umso schwerer fĂŒr die Alleinstehenden oder die Familie, in der die Konflikte schon lange
schwelen. Aber ebenso stark ist die Sehnsucht, endlich wieder Kontakt nach draußen zu haben,
zu den anderen.
Wie gerne wĂŒrden wir unser zu Hause verlassen, wenigsten etwas lĂ€nger als nur fĂŒr einen
Spaziergang und vielleicht noch den Weg zur Arbeit.

Abschied nehmen ist Lebensaufgabe
Angesichts der Passionszeit, in der wir uns im Kirchenjahr gerade befinden, erinnern wir uns
daran, dass Jesus seine Freunde darauf vorbereitet hat, dass er schon bald von Ihnen Abschied
nehmen wird.
Die Zeit seines Wirkens hatte viel mit Abschied nehmen zu tun.
Abschied nehmen von den Gewohnheiten, seinen eigenen und denen der Gesellschaft seiner Zeit.
Er nimmt Abschied davon auf sein Recht zu beharren. Er verzichtet auf Besitz. Er setzt die
Beziehung zu Gott ĂŒber alles andere.
Er hat Menschen nie in eine Schublade gesteckt, sondern er hat Ihnen Raum zur VerÀnderung
geschenkt: ZachÀus, dem blinden BartimÀus, der Ehebrecherin, der Samariterin am Brunnen und
vielen Meer.

Abschied nehmen begleitet uns unser Leben lang.
Der erste Tag im Kindergarten ohne Mutter oder Vater. Die Schulzeit ist beendet. Es heißt
Abschied nehmen von den tÀglichen Begegnungen mit Freunden und Freundinnen. Das
Elternhaus verlassen. Der erlernte Beruf reicht nicht fĂŒr ein ganzes Leben. Neues lernen. Die
Kinder verlassen das Haus und richten sich in der eigenen Existenz ein. Das Berufsleben geht zu
Ende. Nicht mehr tÀglich die Kolleginnen und Kollegen sehen. Einen ganz neuen Lebensrhythmus
finden.
Muss ich meine vertraute Wohnung einmal verlassen, um mich in einem Pflegeheim versorgen zu
lassen?

Zukunft
Wovon werden wir in den nĂ€chsten Wochen und Monaten Abschied nehmen mĂŒssen?
Das lĂ€sst sich noch nicht ĂŒberblicken.
Viele werden sicherlich in finanzieller Hinsicht die Folgen dieser Krisenzeit spĂŒren und schon
deshalb von ihrem gewohnten Lebensstandard Abschied nehmen mĂŒssen, vielleicht sogar ums
tĂ€gliche Brot kĂ€mpfen mĂŒssen. Auch dann noch ist SolidaritĂ€t gefragt.

Hoffentlich mĂŒssen wir uns nicht von Menschen, die uns nahe stehen verabschieden – und wenn
doch?

Dann können wir nur versuchen Trost zu finden in den Worten des Textes aus dem 2.
Korintherbriefes, den Sie zu Beginn der Andacht gelesen haben:
3 Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Denn er ist ein Vater, der sich
erbarmt, und ein Gott, der auf jede erdenkliche Weise tröstet und ermutigt. 4 In allen unseren
Nöten kommt er uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe, und deshalb können wir dann auch
anderen Mut machen, die sich ebenfalls in irgendeiner Not befinden: Wir geben ihnen den Trost
und die Ermutigung weiter, die wir selbst von Gott bekommen.
Amen!

Singen oder hören wir: Oh Lord, hear my prayer

FĂŒrbitten
Wir wollen unseren Blick weiten
und an die Menschen in aller Welt denken und fĂŒr sie beten:
an die Menschen in aller Welt denken,

Guter Gott, die Corona-Krise erschĂŒttert die ganze Welt.
Du hast uns und allen Menschen einen freien Willen geschenkt,
hilf, dass wir ihn nun zum Wohle aller einsetzen und nicht nur fĂŒr uns selbst.
Wir denken an die Politiker und Politikerinnen, die schwere Entscheidungen treffen mĂŒssen.
Wir bitten dich: lass sie Machtpolitik vergessen,
sondern zum Wohle aller Menschen entscheiden.

Wir denken an die Menschen, die in ihrem Leben durch verschiedene Vorschriften nun
eingeschrÀnkt werden.
Wir bitten dich: Lass sie und uns selbst einsehen, dass diese BeschrÀnkungen sinnvoll sind zu
unser aller Wohl.

Wir denken an die Menschen, die an Corona schwer erkrankt sind.
Wir bitten dich: Lass sie in dieser schweren Zeit Deine Gegenwart spĂŒren, schenke ihnen Kraft,
Mut und Geduld zu genesen.
Wir denken an die vielen Menschen, die schon durch das Corona-Virus verstorben sind.
Wir bitten dich: schenke Ihnen deine GĂŒte und Barmherzigkeit, damit sie jetzt bei Dir geborgen sind.

Wir denken an die Menschen die um einen geliebten Menschen trauern.
Wir bitten dich: begleite sie durch diese schwierigen Zeiten, in denen auch Trauer und Abschied
nehmen durch Corona ĂŒberschattet wird.

Wir denken an die vielen Menschen in den medizinischen und pflegenden Berufen, die sich im
Kampf gegen die Erkrankung einsetzen, die in Pflegeheimen und KrankenhÀusern, die
Versorgung alter und kranker Menschen aufrecht erhalten.
Sie sind derzeit beruflich am Meisten belastet.
Wir bitten dich: gib Ihnen die Kraft und das Durchhaltevermögen, dass sie brauchen. Lass sie
durch uns Menschen Anerkennung und Hochachtung erfahren.

Wir bitten dich: gib uns allen Vernunft zum besonnenen Umgang mit dieser Herausforderung.
Lass uns und alle erfahren, dass unser Leben in dir allein geborgen ist.
So auch jetzt: Erbarme, dich Gott!

Gemeinsam beten wir:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tÀgliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und fĂŒhre uns nicht in Versuchung;
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft,
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Hören Sie: Gott stÀrke dich mit seiner Kraft:

Segensbitte
Herr, wir bitten dich:
Segne uns.
Halte deine schĂŒtzenden HĂ€nde ĂŒber uns
Und gib uns deinen Frieden.
Amen!